PHILOSOPHIE

Warum wir das Leib-Seele-Problem nicht lösen können

Andreas Manfrin

logo Dieser Text ist nur zum Lesen bzw. zum privaten Gebrauch veröffentlicht. Bei anderweitigen Nutzungen bitte zuvor eine Erlaubnis bei mir einholen. © Andreas Manfrin 1997

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Was ist Philosophie?
Die Bedeutungen von Bewußtsein
Das Wunderbare des phänomenalen Bewußtseins
Was ist phänomenales Bewußtsein?
Wissenschaft und phänomenales Bewußtsein
Können wir das Leib-Seele-Problem lösen?
Warum wir das Leib-Seele-Problem nicht lösen können
Kognitive Begrenztheit
Literaturverzeichnis
Fußnoten

Einleitung back

Wenn ich die Einleitung von Thomas Metzinger in dem von ihm herausgegebenen Buch "Bewußtsein" lese, dann scheint es mir, daß die philosophische Epoche des Bewußtseins begonnen hat, in der sich die Probleme der Philosophie am Bewußtsein entfachen.
Zu jeder Zeit in der Philosophie gab es einen Punkt, von dem aus die philosophischen Probleme bevorzugt angedacht wurden. Nach A. Keller gab es in der abendländischen Philosophie derer bisher drei. Zur ihrer Bestimmung orientiert sich Keller an den drei skeptischen Thesen des Gorgias.2 "Nichts existiert.", "Selbst wenn etwas existiert, so ist es nicht erkennbar." und "Selbst wenn etwas erkennbar ist, so ist es nicht mitteilbar." Die Philosophie des ersten Abschnitts beleuchtet die Wirklichkeit unter der Rücksicht des Seienden und entspricht der ersten These des Gorgias. Die Philosophie im zweiten Abschnitt ist bestimmt durch die Suche nach der sicheren Erkenntnis der Wirklichkeit und von der Erkenntnis handelt Gorgias zweite These. Die Philosophie des dritten Abschnittes wendet sich dem Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit zu und auf die Sprache bezieht sich Gorgias dritte These.
Auch wenn diese Einteilung vieles nicht berücksichtigt, ist sie durchaus brauchbar. Auf den bisher letzten Abschnitt, die Sprachphilosophie, scheint nun ein vierter Abschnitt zu folgen, der aus der Perspektive des Bewußtseins die philosophischen Probleme angeht, die Philosophie des Geistes (philosophy of mind).3
Die Sprachphilosophie4 geht die Probleme in der Weise an, daß sie erst einmal einen Schritt zurücktritt und untersucht, wie wir über die Phänomene reden. Sie vertritt die These, daß wir erst einmal Klarheit darüber gewinnen müssen, was es heißt, etwas zu benennen. Dahinter steht die erkenntnistheoretische Prämisse, daß jede Erkenntnis, die über ein reines Phänomen hinausgeht, an die Sprache gebunden ist. Der Verdienst der Sprachphilosophie ist es, auf die Beziehung von Phänomen und Sprache aufmerksam gemacht zu haben, aber sie setzte ihre anfangs nur kritische Korrektur in dem Sinne absolut, daß sie sich als eine von den empirischen Wissenschaften unabhängige Disziplin betrachtete, so daß ihr die Kritik, die schon der Metaphysik widerfahren ist, auch bei sich gelten lassen muß, den "Probierstein der Erfahrung"5 ausklammert zu haben.
Aber die Auffassung, daß die sprachanalytische Philosophie vollkommen voraussetzunglos sei und auch von der Empirie unabhänig, übersieht, daß bei jedem Begriff, den wir für ein Phänomen verwenden, bereits immer ein Vorurteil über dieses Phänomen enthalten ist. D.h., analytische Sätze a priori sind im strengen Sinn nicht möglich. Analytische und synthetische Sätze werden nicht mehr getrennt, sondern nur noch unterschieden8. "Der neuen Interpretation zur Folge handelt es sich dabei um eine relative Unterscheidung ... Und das bedeutet, daß es keine strikte Trennung zwischen Begriffsanalyse und empirischer Wissenschaft gibt: Was als eine begriffsanalytische Auskunft gilt, hängt vom Stand unseres Wissens ab."9 Darin kommt eine grundsätzliche Kritik an dem Anspruch der Erkenntnistheorie zum Ausdruck, unser gesamtes Wissen auf ein voraussetzungsloses, unbezweifelbares bzw. apriorisches Fundament10 zu stellen. 11
Descartes hatte eben genau die Bewußtseinszustände als unbezweifelbaren Ausgangspunkt entdeckt. Damit aber hat er gleichzeitig das Bewußtsein der wissenschaftlichen Betrachtung entzogen. Wenn es aber prinzipiell keinen voraussetzungslosen Ausgangspunkt geben kann, trifft dies auch nicht mehr auf das Bewußtsein zu, das jetzt wissenschaftlich betrachtet werden kann ohne, daß eine zirkuläre Abhängigkeit entsteht.12
Das heißt aber noch lange nicht, daß damit nun alle Probleme gelöst wären - nein, sie fangen gerade erst an. Denn die Philosophie und das Problem des Bewußtseins gebärden sich wie Hydra, daß wenn ein Problem gelöst ist, dadurch neue entstehen, wobei es mir scheint, als könnten wir uns glücklich schätzen, wenn es für jedes gelöste Problem stets bei nur zwei neuen Problemen bliebe! Die Philosophen beschäftigt nun die Frage, ob wir wohl überhaupt die Kraft des Herakles13 haben werden, die nötig ist, um das Bewußtsein mit seinen Problemen zu klären.

Was ist Philosophie? back

Thomas Metzinger schreibt,
Dem stehe ich mit meiner philosophischen Sicht eher verhalten gegenüber und erwarte eine "Revolution erster Ordnung"15 vielleicht in der Naturwissenschaft, nicht aber in der Philosophie. Eine derartige Revolution käme dem Ende der Philosophie gleich.
Denn mag sich auch die Rücksicht der Betrachtung ändern, - von der Seinsphilosophie bis zur Geistphilosophie eingeschlossen der Rücksichten der Betrachtung, die alle noch folgen werden - das eigentliche Grundproblem der Philosophie wird sich durchhalten. Dieses Grundproblem ist, die Wirklichkeit zu verstehen. Als Teil dieser Wirklichkeit kann der Mensch sie nie überblicken. Dies gilt für den Makrokosmos, in dem der Mensch Teil des Universums ist, so wie für den Mikrokosmos, in dem der Mensch versucht, seine Innenwelt, d.h. sein Bewußtsein, zu ergründen. Stets steht er vor dem Problem, nicht von außen her betrachten zu können, sondern immer schon durch sich selbst befangen zu sein.16 Dennoch hat der Mensch die Möglichkeit, sich mit der einen oder anderen Betrachtungsweise der Wirklichkeit zuzuwenden, um auf seine Weise einen Eindruck der Gesamtwirklichkeit zu erlangen17 Von welcher Seite man die Wirklichkeit auch zu verstehen sucht, so scheint es, daß es sich im Kern stets um dasselbe philosophische Problem handelt, das seinen Ursprung darin hat, daß der Mensch immer mit zur Wirklichkeit gehört und ihr nicht außen vorsteht, was gleichbedeutend mit der Endlichkeit ist.
Auf diesem Hintergrund sei nun eine Definition für die Philosophie vorgeschlagen. Mit Hilfe der Unterscheidung von Formal- und Materialobjekt läßt sich eine Wissenschaft bestimmen. Ein Vorschlag für das Formalobjekt der Philosophie ist der Mensch, der alles wissen18 möchte und alles hinterfragt, was für ihn als Menschen, d.h. gerade in seiner Eigenschaft als Mensch, wichtig ist.19 Mit zunehmendem Wissen aber wird immer deutlicher, daß der Mensch begrenzt ist - und dies nicht nur im Hinblick auf sein Wissen. Eine konstitutive anthropologische Eigenschaft des Menschen ist seine Begrenztheit.
So kann man von der Philosophie als einer Wissenschaft der Grenzen sprechen, deren Wesen die Suche nach den Grenzen und der Umgang mit diesen Grenzen ist20. Man kann sagen, daß die Frage nach den Grenzen das Formalobjekt der Philosophie ist. Das besondere an diesem Formalobjekt ist, daß mit ihm prinzipiell alles zum Materialobjekt der Philosophie werden kann. Es kann demnach Philosophien von allen nur denkbaren Gegenstandsbereichen geben.
Vielleicht würde Wittgenstein meiner Grenzphilosophie zustimmen können, zumindest hat er folgenden Satz geschrieben:
Mein Vorschlag ist nun, diesen Satz der Sprachphilosophie in einen Satz der Philosophie des Geistes zu übersetzen, um der aktuellen philosophischen Betrachtungsrücksicht gerecht zu bleiben:
Die Probleme, die sich bei der Betrachtung des Bewußtseins ergeben, berühren und verweisen auf die tiefsten philosophischen Probleme, die Begrenztheit des Menschen. Deshalb ist das Bewußtsein als Ausgangspunkt für philosophische Grundfragen sehr geeignet.

Die Bedeutungen von Bewußtsein back

Was wollen wir unter Bewußtsein verstehen? Bei welcher Bedeutung von Bewußtsein kommen wir an unsere Grenzen? Oder anders gefragt, welches Phänomen, das wir als Bewußtsein bezeichnen, ist uns so unerklärlich, daß wir uns bisher nicht einmal seine Erklärung vorstellen können?
Bieri unterscheidet drei Begriffe von Bewußtsein:22
(1) Bewußtsein als integriertes Verhalten23 beschreiben die Charakteristika, aus denen wir schließen, daß ein Subjekt Bewußtsein hat. Integriertes Verhalten können wir mittels Biologie und Physiologie untersuchen und einordnen.
(2) Bewußtsein im Sinne unterschiedlicher kognitiver Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Lernen und Erinnerung. Obwohl die kognitiven Fähigkeiten schon nicht mehr so leicht zu untersuchen und zu erfassen sind, wie integriertes Verhalten, haben wir dennoch den Eindruck, daß sie erklärbar sind.
(3) Bewußtsein im Sinne von Erleben: Unser Erleben ist eine Empfindung, die man in Sinnesempfindungen von Farben und Tönen und emotionales Empfinden von Freude oder Angst und anderes mehr einteilen kann. Das Besondere an all diesen Empfindungen ist, daß sie sich auf bestimmte Weise anfühlen. Es ist irgendwie, Vanilleeis zu essen, und es ist irgendwie, sich dabei zu freuen.
Das Bewußtsein des Irgendwie nennen die Philosophen phänomenales Bewußtsein24 und seine Inhalte bezeichnet man als Qualia. Ein Beispiel für ein Quale ist z.B. das Vanillequale als Geschmacksempfindung von Vanille.
Und dieses Erleben scheint unbegreiflich zu sein. Das läßt sich auch so sagen, daß wir in unserer Erkenntnis des phänomenalen Bewußtseins derzeit unsere Grenze deutlich merken. Folglich ist es nur konsequent, wenn sich die Philosophie als Grenzwissenschaft gerade mit dem phänomenalen Bewußtsein auseinandersetzt.

Das Wunderbare des phänomenalen Bewußtseins back

Solange mich keiner fragt, was Bewußtsein ist, weiß ich es, sobald jemand aber fragt, und ich es erklären soll, weiß ich es nicht.25 Die Probleme des phänomenalen Bewußtseins erscheinen, sobald wir Fragen zum Bewußtsein stellen und auf sie eine Antwort suchen.
Die Frage nach dem Bewußtsein hat für uns eine besondere Bedeutung, weil es uns in der Weise ausmacht, daß wir überhaupt wahrnehmen, daß es da etwas wahrzunehmen gibt, und wie es ist, dies wahrzunehmen. Alle Zustände, die wir erleben, wie etwas ist und wie es sich anfühlt, kommen dort her bzw. führen direkt zum Bewußtsein und sind mit ihm aufs engste verbunden. Bewußtsein bildet unsere Wirklichkeit. Es gibt deshalb nichts, was uns näher und unmittelbarer erscheint. Versuchen wir aber unser Bewußtsein zu betrachten, entgleitet es. Das fängt schon damit an, daß wir unser Bewußtsein selbst direkt nicht wahrnehmen können, sondern nur etwas, das sich in unserem Bewußtsein zeigt und anfühlt.

Was ist phänomenales Bewußtsein? back

Wenn die Philosophie sich die Frage nach dem Bewußtsein stellt und sie zum Mittel- und Ausgangspunkt ihrer überlegungen macht, dann ist es ihre erste Aufgabe, die Methode, mit der sie diese Frage untersuchen möchte zu diskutieren und zu klären.
Das Wort Methode kommt aus dem griechischen und bedeutet "Weg etw. zu erreichen". Um den Weg zu bestimmen, muß man aber auch das Ziel kennen. Der Weg orientiert sich am Ziel. Gleichzeitig wird aber auch das Ziel durch den Weg bestimmt. Das Ziel orientiert sich am Weg. Weg und Ziel bedingen sich gegenseitig. Dies kann man gewissermaßen in der Aussage Der Weg ist das Ziel. zusammenfassen. In diesem Sinne kann man sagen, daß in der richtig formulierten Frage, schon die Hälfte der Antwort gegeben ist. Es ist demnach die Aufgabe der Philosophie herauszufinden, ob eine Frage richtig gestellt ist. Kann man beispielsweise vom Ort des Bewußtseins reden, oder ist diese Verknüpfung ein Kategorienfehler? Angenommen man kann vom Ort des Bewußtseins sprechen, was ist dann darunter zu verstehen? Kann diese Prädikation vielleicht nur im übertragenen Sinne verwendet werden, so daß sie richtig ist, solange man weiß, daß sie stets im übertragenen Sinn verwendet ist?
überaus viele Fragen lassen sich an das Bewußtsein stellen. Wie verhält sich die jeweils bewußte Wirklichkeit zu der scheinbar tatsächlichen Wirklichkeit? In welchem Verhältnis steht die Wirklichkeit, die das Bewußtsein einem vermittelt, zur Wirklichkeit anderer Bewußtseinssubjekte? Läßt sich Bewußtsein mit wissenschaftlichen Mitteln, z.B. denen der Physik, beschreiben und erklären? Hängt das Bewußtsein von Gesetzen ab, die sich physikalisch beschreiben lassen? Woher kommt Bewußtsein? Wie entsteht Bewußtsein? Welche Voraussetzungen sind für Bewußtsein notwendig? Was macht die Empfindungen aus? Von was sind phänomenale Eigenschaften Eigenschaften? Ist eine Theorie über Bewußtsein prinzipiell möglich? Alle diese Fragen bündeln sich in der Frage, "Was ist das Bewußtsein?".

Wissenschaft und phänomenales Bewußtsein back

Von was sind phänomenale Zustände Zustände? Sind es Zustände bestimmter neuronaler Aktivitäten im Gehirn? Ist es eine bestimmte Art und Intensität an Informationsverarbeitung?
Zwischen dem erleben eines Quale und bestimmten physikalischen, physiologischen, neurobiologischen oder informationsverarbeitenden Prozessen (P) gibt es einen Zusammenhang. Erleben ist supervenient gegenüber P, d.h. Erleben ändert sich nur, wenn bei P eine Veränderung geschieht.27 Es gibt nun unterschiedliche Beziehungen28 zwischen Erleben und P, das Entscheidende aber ist , daß P immer notwendig ist.
Aus dem oben Gesagten geht die Unterscheidung phänomenaler Zustände von physikalischen, physiologischen, neurobiologischen oder informationsverarbeitenden Zuständen hervor.
Das Erleben des Geschmacks von Vanilleeiscreme ist nicht die nervliche Reizung der Zunge, die Informationen in Form von elektrischen Strömen an das Gehirn leitet und auch von dort empfängt, gleichwohl das Erleben von ihnen irgendwie abhängt. Denn wenn wir nur diese Ströme beobachteten, kämen wir nie auf die Idee, daß sie so etwas wie das Geschmackserlebnis von Vanilleeis haben. Die Ströme sind weder erfrischend kalt, noch schmecken sie nach Vanille.
Das große Problem nun ist, daß sich diese Zustände nicht nur unterscheiden, sondern sie schließen sich gar aus.29
An dieser Stelle stehen wir vor dem Rätsel des Bewußtseins. Durch die wissenschaftliche Betrachtung können wir uns der Empfindung an sich nicht nähern. Die elektrische Reizung eines Neurons mag zwar irgendwie das Empfinden einer Farbe hervorrufen, aber es hat nicht die Eigenschaft des Quale einer Farbe.
Ich denke, daß man zwischen Wissenschaft und Bewußtsein nicht so stark zwei Lager aufbauen sollte. Es stimmt zwar, daß die Wissenschaft sich dem Bewußtsein nur sehr eingeschränkt zuwenden kann, aber das resultiert aus dem generellen Problem der Wissenschaft zu abstrahieren. Und das Abstrahieren hat sowohl Vor- als auch Nachteile.32 So ist dies auch mit der Methode der Abstraktion in der Wissenschaft. Sie hilft uns weiter, Zusammenhänge zu verstehen, indem sie vom Einzelfall abstrahiert. Gleichzeitig aber entfremdet die Abstraktion den Einzelfall, weil sie ihn nur unter einer bestimmten Rücksicht betrachtet. Alle anderen Eigenschaften werden vernachlässigt.
Um uns in unserer Welt zurechtzufinden und unser Leben zu organisieren und zu erhalten, können wir uns nicht auf alles einlassen. Durch unsere Begrenztheit sind wir gezwungen auszuwählen. Dabei aber können wir die Rücksicht, unter der wir auswählen, aussuchen. Diese Struktur ist schon in unserer Erkenntnisstruktur grundgelegt. Wir sehen von all dem, was wir wahrnehmen, nur einen Ausschnitt bewußt und objektivieren schon beim Sehen.33 Wir wählen ebenfalls aus und abstrahieren, wenn wir Begriffe bilden und verwenden. Das Gleiche gilt für unser Denken.34 Die Naturwissenschaft nimmt dieses unser Erkenntnisprinzip auf und betreibt es sehr professionell. Dabei hilft sie uns auch sehr weiter. Aber man muß sich immer bewußt sein, daß dies gewissermaßen nur die Art und Weise ist, mit der wir mit unserer Begrenztheit möglichst gut fertig werden wollen. Es ist also völlig fehl am Platz von der Naturwissenschaft zu erwarten, daß sie unsere Begrenztheit aufhebt, weil sie nicht nötig wäre, wenn wir nicht mit unserem Erkenntnispotential so gut wie möglich haushalten müßten. Die Wissenschaft kann unsere Probleme also prinzipiell nicht lösen. Wenn wir uns dessen fortwährend bewußt bleiben, ersparen wir uns viele Probleme und Unklarheiten. Die Aufgabe der Philosophie ist es, diese Unklarheiten immer wieder aufzudecken und dem Menschen zu sagen, wer er eigentlich ist. Weil der Mensch aber immer wieder in Versuchung gerät, sich zu überschätzen, wird die Philosophie nicht aussterben.
Sollten wir aber wider Erwarten unsere eigenen Grenzen übersteigen, werden wir die angekündigte Revolution erster Ordnung erleben. Dies wäre das Ende der Philosophie und aller Wissenschaft.

Können wir das Leib-Seele-Problem 35 lösen? back

Das Gehirn ist für Bewußtsein kausal verantwortlich, aber wir haben keine Vorstellung, wie das so sein kann. Die Kovarianzen36 zwischen Gehirnprozessen und Erlebnissen scheinen, selbst wenn wir sie als Gesetze auffassen, nicht weiter in das Netz der übrigen bekannten Gesetze einbettbar zu sein; sie bilden vielmehr allesamt lose Enden - was darauf hinweist, daß beim Bewußtsein etwas systematisch unverstanden geblieben ist.37 McGinn vertritt bezüglich der Tatsache der systematischen Unklarheit die gleiche Meinung wie Bieri.
Aber McGinn denkt insofern anders, als er die Meinung vertritt, daß der Nebel dieses Unverständnisses sich nie lichten wird, weil wir in unserer Erkenntnis prinzipiell begrenzt sind.
Welche Arten von Begrenzung gibt es, und wie wirken sie sich aus? Bieri39 unterscheidet sinnliche Begrenztheit, Begrenztheit, Begriffe zu bilden, und Begrenztheit, die richtigen Fragen zu stellen.
Wie diese Grenzen einander bedingen mögen, ist in der Philosophie nicht unumstritten. Wie weit ist es aber überhaupt nötig, das Verhältnis dieser Grenzen zu klären, um zu zeigen, daß wir schlechthin begrenzt sind und daß das, was uns nicht ins Bewußtsein kommt, ob nun in sinnlicher, denkender oder welcher Weise auch immer, uns daran hindert, das Rätsel des Bewußtseins zu lösen?
Das, was uns nicht zugänglich ist, können wir freilich niemals erkennen, aber wir erhalten darauf immer wieder Hinweise40, wenn wir versuchen, mit der Welt zurechtzukommen. Dieses Wissen beschränkt sich einzig und allein darauf, daß wir wissen, daß wir nicht wissen. Die These, daß wir auch nicht wissen, d.h. kognitiv begrenzt sind, ist keine Hypothese, sondern unsere Realität.
Kognitive Begrenzung also ist keine Hypothese, wie Bieri es darstellt. Während ich aus dem Umgang mit der Welt, in der wir einigermaßen zurechtkommen, die Hinweise auf unsere Begrenztheit ableite, die es uns versagt, das Problem des Bewußtseins zu lösen, versucht Bieri aus dem Umgang mit der Welt41 heraus zu zeigen, daß unsere kognitive Begrenzung nicht dafür verantwortlich ist, daß wir das Bewußtsein als Rätsel empfinden. Obwohl er zugibt, daß die These so gebaut ist, daß er sie nicht widerlegen kann, versucht er aus der Tatsache, "daß wir, wenn es nicht gerade um Erleben geht, mit unseren begrifflichen Mitteln und unseren Erklärungsmustern beim Gehirn trotz der vielen noch offenen Fragen ganz gut zurecht kommen", zu zeigen, daß es unglaubwürdig ist, unsere kognitive Begrenzung für unser Problem mit dem Bewußtsein verantwortlich zu machen.
Das Argument, das Bieri hier anführt, sollte retorsiv ansetzen, d.h. dadurch widerlegen, daß es dem Gegner nachweist, daß er sich anders verhält, als er es seiner These nach müßte. Die Retorsion ist das klassische Argument gegen die Skepsis.42 Ich sehe aber nicht, wie dieses Argument greifen soll. Denn wir haben allerlei Mühe, mit der Welt zurechtzukommen, das zeigt sich vor allem in der praktischen Philosophie wie z.B. der Ethik. Die Ethik wäre überflüssig, wenn wir nicht Schwierigkeiten hätten, mit der Welt und auch mit uns zurechtzukommen. Aber auch in der theoretischen Philosophie lassen sich durchaus - vom Problem des Bewußtseins einmal abgesehen - Momente finden, die darauf hinweisen, daß wir durchaus nicht nur gut mit uns zurechtkommen, wie dies beispielsweise in der Existenzphilosophie Sartres anklingt. Was ist nun relevant, die Tatsache, daß wir zurechtkommen, oder die Tatsache, daß wir nicht zurechtkommen?
Wenn Bieri Recht haben sollte, so frage ich mich, wenn es nicht unsere Begrenztheit ist, die uns die Probleme bereitet, was ist es eigentlich dann?

Warum wir das Leib-Seele-Problem nicht lösen können back

Colin McGinn nimmt zum Thema Bewußtsein im Artikel "Can We Solve the Mind-Body Problem?", der erstmals im Juli 1989 veröffentlicht worden ist, Stellung. McGinn vertritt eine naturalistische Auffassung, d.h. er denkt nicht, daß das Bewußtsein "von außen" zu der Materie hinzukommt, sondern daß es von ihr abhängt und sich folglich auch von ihr aus erklären läßt.
Dennoch ist die Argumentation von McGinn weniger konstruktiv als skeptisch:
Wenn wir im Folgenden annehmen, daß der Obersatz (1) wahr ist bzw. nicht widerlegt werden kann, können wir den Schluß (3) nur dadurch zu Fall bringen, daß wir den Untersatz (2) widerlegen. D.h., wir müßten zeigen können, daß wir im Hinblick auf die Eigenschaft, die für das Bewußtsein verantwortlich ist, nicht begrenzt sind. Denn für "ein Wesen, das nicht in dieser Weise kognitiv begrenzt wäre, gäbe es durchaus eine Lösung unseres Rätsels. Oder eigentlich ist die bessere Beschreibung die: Für ein solches Wesen gäbe es hier von vornherein gar kein Rätsel."45
Wenn also die kognitive Begrenztheit schuld daran ist, daß das Bewußtsein für uns ein Rätsel ist, was versteht man dann unter kognitiver Begrenztheit und was bewirkt sie?

Kognitive Begrenztheit back

McGinn definiert kognitive Begrenztheit (cognitive closure) folgendermaßen:
Jedes Bewußtsein hat seinen Horizont, die ihm eigenen Fähigkeiten und Begrenzungen. Dieser Horizont kann unter den verschiedenen "Bewußtseinen" fast der gleiche sein oder sich erheblich unterscheiden; vergleichsweise wenig Unterschied ist zwischen den Menschen, sehr deutlich aber ist der Unterschied zwischen Mensch und Fledermaus, denn was im Horizont einer Fledermaus liegt, muß noch lange nicht in unserem liegen. Bewußtsein ist nicht umfassend im dem Sinne, daß alles, was real ist, uns auch bewußt sein müßte - genau das ist kognitive Begrenzung. Ein kognitiv begrenztes Bewußtsein kann nur auf seine Wirklichkeit reflektieren und nicht auf die, die außerhalb seiner Erkenntnisfähigkeit liegt. Wenn ein Wesen begrenzt ist, erlebt es das "mehr" an Wirklichkeit nicht. Wer aber in seiner Erkenntnisfähigkeit prinzipiell begrenzt ist und dies auch merkt oder aber zugibt, der muß zugeben, daß es etwas gibt, daß ihm prinzipiell vorenthalten ist und das muß freilich auch existieren. Kognitive Begrenztheit ist folglich kein Irrealismus.
Ist der menschliche Verstand gegenüber bestimmten wissenschaftlichen Theorien begrenzt? Das gleiche, was für den Bewußtseinshorizont gilt, trifft auch auf die Theorien zu, die wir bilden können. Nichts in unserer Wirklichkeit deutet darauf hin, daß die menschliche Fähigkeit, Theorien zu entwickeln, nicht auch begrenzt ist. Die Theorien, die wir bilden können, fangen nur unsere Wirklichkeit ein und eben nicht den Teil der Wirklichkeit, der uns verschlossen ist.
Daraus, daß wir merken, daß die Eigenschaft und die Theorie des Bewußtseins verschlossen sind, läßt sich ableiten, daß es sie aber geben muß. Nehmen wir also an, daß es irgendeine Eigenschaft, die für das Bewußtsein verantwortlich ist, tatsächlich gibt. Dazu gibt es dann auch eine Theorie, die sich auf diese Eigenschaft bezieht, die die Supervenienz von Erlebenszuständen gegenüber den physiologischen Zuständen erklärt. Kennten wir diese Eigenschaft und die dazugehörige Theorie und verstünden wir sie, hätten wir das Leib-Seele-Problem gelöst.
McGinn führt zwei Wege an, die uns offenstehen, die Supervenienz des Bewußtseins in Bezug auf die Physiologie zu erkennen: Wir können versuchen von der einen Seite her die Brücke zur anderen Seite zu schlagen oder umgekehrt, indem wir von unserem Bewußtsein ausgehen, wie es uns gegeben ist, um zur Physiologie zu gelangen (I) oder wir können uns auf die Physiologie des Gehirns einlassen, um die Bewußtseinszustände zu erfassen bzw zu erfühlen (II).
(I) Können wir50 phänomenologisch51 klären, indem wir durch Introspektion vorgehen, was Bewußtsein ist? Aber durch diesen Zugang der Introspektion kommen wir der Supervenienz nicht näher. Die Introspektion zeigt Bewußtsein nicht in seiner Abhängigkeit vom Gehirn. Die Supervenienz liegt außerhalb unseres Vermögens der Introspektion. Das ist in dem Sinne nichts Verwunderliches, wenn man bedenkt, daß viele Eigenschaften sich der Introspektion entziehen, warum nicht auch die Supervenienz?
Aber selbst wenn wir nun durch Introspektion das Problem unseres eigenen Bewußtsein gelöst hätten, bliebe das Problem immer noch dort bestehen, wo uns Introspektion verwehrt ist, z.B. bei unseren Mitmenschen und noch mehr bei Fledermäusen.
Und nehmen wir mal an, wir hätten das Problem des Bewußtseins für die Fledermaus gelöst, wie könnten wir erfahren, wie es ist eine Fledermaus zu sein? In diesem Satz liegt gewissermaßen ein Widerspruch, aber genau der zeigt das Dilemma, in dem wir uns befinden. Eine wahre psychophysikalische Theorie müßte die Bewußtseinserfahrung der Fledermaus, d.h., wie es ist Fledermaus zu sein, diese Erfahrung des Erlebens aus der Sicht einer Fledermaus, mit enthalten. D.h.: Hätten wir konsistente Theorie über Fledermäuse, wären wir irgendwie selber Fledermäuse.
Das heißt dann aber auch, daß, wenn wir die Theorie des Bewußtseins überhaupt gelöst hätten, wir einfach alles erleben würden, wie es ist. Dies kann ich mir gar nicht vorstellen, die Welt zugleich aus der Sicht der Fledermaus via Ultraschall zu sehen bzw. zu hören und gleichzeitig die Welt aus der Sicht eines Insekts mit seinen Facettenaugen, so daß jeder Kinofilm mit seiner niedrigen Bildfolge zu einer Zumutung würde. Diese Vorstellung ist für mich, wie die Einführung von mehr als drei Dimensionen im Raum - ich könnte sie vielleicht zwar irgendwie berechnen, aber erleben, wie es ist, die Welt in beispielsweise sechs Dimensionen zu erleben, kann ich nicht - welch Wunder, denn ich habe das Problem des Bewußtseins ja noch nicht gelöst.
Und noch eine Frage stellt sich mir da: Nehmen wir also an, wir hätten das Problem des Bewußtseins gelöst, und wir verfügten über alle "Bewußtseine" und wir könnten zwischen all diesen Arten, wie es ist, in der Welt zu sein - z.B. der der Fledermaus, unserer eigenen und der des Insekts - hin- und herschalten, würden wir dann so etwas wie einen Schnitt 52 mitbekommen oder nicht?
II Können wir von der physiologischen Seite her verstehen, was Bewußtsein ist?
Wie lange wir auch und unter welcher Rücksicht auch immer in das Gehirn schauen mögen, das Erleben, das gegenständliche Bewußtsein, das Erleben, das dieses Gehirn hervorbringt, ist uns nicht zugänglich.54 Was für das gegenständliche Bewußtsein gilt, trifft in noch stärkerer Form auf das ungegenständliche Bewußtsein55 selbst zu, denn das haben wir ja noch nicht einmal unmittelbar von uns selbst. "In other words, consciousness is noumenal with respect to perception of the brain."56 Bewußtsein ist für uns keine direkt zu betrachtende Eigenschaft des Gehirns, d.h. die Eigenschaft, die Bewußtsein hervorbringt, ist für uns kognitiv unzugänglich.
Diese Tatsache ändert sich auch nicht, wenn wir nun versuchen sollten, das was wir wahrnehmen, irgendwie durch einen Schluß auf die Eigenschaft des Bewußtseins zu übertragen. Wir können nicht über das, was wir wahrnehmen, hinaus zur Eigenschaft, die für das Bewußtsein verantwortlich ist, gelangen.57
Dies liegt vor allem daran, daß unsere Sinne räumlich ausgerichtet sind. Sie zeigen uns unsere Wirklichkeit immer in den Koordinaten des Raums. Aber dies sind Koordinaten, die in sich ungeeignet sind, das Problem des Bewußtseins zu lösen. "Schon nach ... räumlichen Eigenschaften [des Bewußtseins]zu fragen, bedeutet, eine Art Kategorienfehler zu begehen."59
D.h., auch der Weg, von der Physiologie her eine Brücke zum Bewußtsein zu schlagen, scheitert letzten Endes an unserer kognitiven Begrenzung.
In der Disjunktion zwischen Introspektion und physiologischer Betrachtung hat McGinn vergessen zu berücksichtigen, ob es vielleicht auch möglich wäre, mit einer Kombination dieser beiden, das Problem des Bewußtseins zu lösen. Ich bin nur eingeschränkt mit der Unterscheidung von McGinn einverstanden, weil es mir scheint, daß wir ohnehin nicht strikt trennen können, wie McGinn es hier getan hat, da wir diese beiden ohnehin zwangsläufig gemeinsam für jede Erkenntnis einsetzen. Denn ohne daß mir überhaupt etwas bewußt ist, kann ich nie wissenschaftlich arbeiten. Das Bewußtsein ist die Voraussetzung zur Wissenschaft überhaupt. Auf der anderen Seite ist jede Wissenschaft auf Daten angewiesen. Um eine wissenschaftliche Theorie des Bewußtsein aufzustellen, reichen die physiologischen Daten allein nicht aus, sondern auch die Daten des Erlebens selbst müssen berücksichtigt werden - aber so eine konsistente wissenschaftliche Theorie erzeugte sogar neues bzw. erweiterte62 das Bewußtsein.
Nimmt man nun diese Argumente zusammen, steht man in einem Kreis, das eine setzt das andere stets voraus. Dies ist aber eine auswegslose Lage, um Wissenschaft zu betreiben, in deren Definitionen nicht ein und dasselbe sowohl als Explanandum als auch als Explanans stehen kann.
Auch der dritte Weg ist uns versperrt. Daß wir in diesen Kreis gelangen, ist wieder eine Auswirkung unserer kognitiven Begrenztheit.
McGinn hat also mit seiner Aussage
Recht behalten.
Nun erinnere ich an den Syllogismus über die Erkenntnis des Bewußtsein:
Der Untersatz (2) ist also bewiesen. Es folgt also (3).
Auch wenn wir herausgefunden haben, daß wir das Problem des Bewußtseins nicht lösen können, haben wir keinen Grund und ist es auch nicht sinnvoll, das Buch einfach zuzuklappen64, denn wir müssen ja mit unserer Begrenztheit umgehen, und das tun wir, indem wir das, was wir haben, so gut wie möglich einsetzen.

Literaturverzeichnis back

Bieri, Peter (Hrsg.): Analytische Philosophie des Geistes, Bodenheim 21993
Haeffner, Gerd: Philosophische Anthropologie, Stuttgart 21989
Keller, Albert: Sprachphilosophie, Freiburg 21989
McGinn, Colin: The Problem of Consciousness, Oxford 1991
Metzinger, Thomas (Hrsg): Bewußtsein, Paderborn 31996
Weissmahr, Bela: Ontologie, Stuttgart 21991
Wittgenstein, Ludwig: Tractatus logico-philosophicus, Frankfurt 101995

Fußnoten back

1 Metzinger 1996, S.15 back

2 Keller 1989, S.14 back

3 Die Vorlesung in Philosophiegeschichte (IV) im Sommersemester 1997 an der Hochschule für Philosophie in München, die G. Brüntrup halten wird, hat das Thema: Analytische Philosophie: Von der Sprache zum Geist. back

4 Meine Ausführung bis zur nächsten überschrift vgl. Bieri 1993, S.13-20 back

5 Aus Kants Vorrede zur ersten Auflage der Kritik der reinen Vernunft: "Dadurch aber stürzt sie [die Vernunft] sich in Dunkelheit und Widersprüche, aus welchen sie zwar abnehmen kann, daß irgendwo verborgene Irrtümer zum Grunde liegen müssen, die sie aber nicht entdecken kann, weil die Grundsätze, deren sie sich bedient, da sie über die Grenze der Erfahrung hinausgehen, keinen Probierstein der Erfahrung mehr anerkennen. Der Kampfplatz dieser endlosen Streitigkeiten nun heißt Metaphysik." back

6 Bieri 1993, S.13 back

7 Bieri 1993, S.17 back

8 Das Wort "unterscheiden" soll zum Ausdruck bringen, daß ein gegenseitiger Bezug besteht, was aber nicht bedeutet, daß man keine Unterschiede feststellen könnte. back

9 Bieri 1993, S.19 back

10 vgl. Wittgenstein: Tractatus 5.5571: "Wenn ich die Elementarsätze nicht a priori angeben kann, dann muß es zu offenbarem Unsinn führen, sie angeben zu wollen." back

11 Diese Tatsache steht in direkter Verbindung mit der anthropologischen Grundkonstante der Begrenztheit des Menschen. back

12 Mit diesem Schluß bin ich nicht einverstanden, siehe die Distinktion weiter unten. back

13 Dieser Vergleich gefällt mir gut, denn Herakles hatte Zeus als Vater aber seine Mutter war sterblich. In ihm kommt die Spannung zum Ausdruck, die auch unser Wesen bestimmt. Wir haben keine göttliche Kraft und auch nicht dieses Wissen, aber darum wissen wir. Wird unser begrenztes Wissen ausreichen, um so erfolgreich wie Herakles zu sein? back

14 vgl. Metzinger 1996, S.16 back

15 Metzinger 1996, S.15 back

16 Das entspricht der Unterscheidung von Ich- und Es-perspektive back

17 Es scheint die Wirklichkeit an sich zu geben: Die Struktur unserer Erkenntnis weist auf sie hin, sie ist die Bedingung der Möglichkeit der Erkenntnis unserer Wirklichkeit und der Intersubjektivität. back

18 So beginnt Aristoteles seine Metaphysik mit dem Satz "Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen ...". back

19 vgl. Definitionsvorschlag von Keller in: Sprachphilosophie, Freiburg/München 21989, S.12f. back

20 Hegel hat sich auch schon mit diesem Problem beschäftigt: Seine Erkenntnis zum Thema Grenze lautet: "Eine Grenze zu erkennen, heißt über sie hinaus zu sein." back

21 Wittgenstein: Tractatus 5.6 back

22 vgl. Bieri in: Metzinger 1996, S.61ff. back

23 vgl. auch Haeffner 1989, S.109 back

24 vgl. Metzinger 1996, S.22 back

25 In Anlehnung an Augustinus, Confessiones XI, 14 back

26 Haeffner 1989, S111f. back

27 Die Wirkung einer Kopfschmerztablette belegt dies. back

28 ausführlicher bei Bieri in: Metzinger 1996, S.65 mit Verweis auf Jaegwon Kim, Supervenience as a Philosophical Concept, Cambridge 1993 back

29 ausführlicher nachzulesen bei Bieri 1993, S.5-11 back

30 Metzinger 1996, S.23 back

31 Metzinger 1996, S.30 back

32 Die Tatsache, daß alles für uns sowohl Vorteile als auch Nachteile hat, verweist auf die Begrenztheit des Menschen. back

33 Mir scheint sogar, daß der physiologische Aufbau des Auges auf diese Abstraktion hin konstruiert ist, wenn man z.B. die Stäbchen und Zäpfchenverteilung auf der Netzhaut betrachtet. Je weiter etwas in den Betrachtungsmittelpunkt rückt, um so farbiger sehen wir es. back

34 Ich hatte leider noch nicht genügend Zeit um mich mit der Verbindung von Sprache und Denken ausführlicher auseinanderzusetzen. back

35 "The specific problem I want to discuss concerns consciousness, the hard nut of the mind-body problem." McGinn 1991, S.1 vgl. ausführlicher Metzinger 1996 S.47f. "Bewußtsein als die Kernvariante des Leib-Seele-Problems" back

36 Kovarianz eine Beziehung der Supervenienz. back

37 vgl. Bieri in: Metzinger 1996, S.69 back

38 McGinn 1991, S.1 back

39 In den folgenden Absätzen, in denen ich auf Bieri verweise, referiere ich immer auf Bieri in: Metzinger 1996 S.74-76 überschrift des Kapitels: "Ist eine kognitive Begrenzung schuld?" back

40 Mit diesen Hinweisen beschäftigt sich die Metaphysik: vgl Weissmahr 1991, S.47 80: "Man muß sich nämlich darüber Rechenschaft geben, warum wir meinen können, daß die Wirklichkeit als solche uns nicht zugänglich ist. Der Grund dafür ist offensichtlich unser Wissen um die nie ganz überwindbare Distanz zwischen Aussage und Wirklichkeit. Daß wir um diese Distanz wissen, ist unbezweifelbar, denn sie die Bedingung dafür, daß das "erkenntniskritische Problem" ... überhaupt auftauchen kann." back

41 Auf den "Umgang mit der Welt" trifft wohl zu, was Kant als Kampfplatz der Metaphysik bezeichnet, denn aus dem "Umgang mit der Welt" lassen sich zwei widersprüchliche Thesen ableiten. Vgl. Kants Vorrede zur ersten Auflage der Kritik der reinen Vernunft. back

42 vgl. Aristoteles, Metaphysik IV 1006a back

43 Emergence is that "the laws of more complex situations in the system are not deducible by way of any composition laws or laws of coexistence from the laws of the simpler or simplest situations(s)". vgl. The Cambridge Dictionary of Philosphy, S.492 - Emergenz ist das Problem der kausalen Enden, die einfach nicht weiterführen. back

44 McGinn 1991, S.6 back

45 Bieri in: Metzinger 1996, S.74 back

46 McGinn 1991, S.2 back

47 McGinn 1991, S.3 back

48 noumenal i.S. - ohne P irgendwie näher bestimmen zu können back

49 McGinn 1991, S.3-4 back

50 Mir fällt auf, daß die wir-Form für diesen Zusammenhang ungeeignet ist, richtiger wäre die ichForm, denn die wir-Form ist introspektiv gar nicht zugänglich. Aber auch McGinn verwendet sie in ganzen Absatz über Introspektion: "Can we tell just by introspecting what the solution to the mind-body problem is? ... We cannot therefore introspect P:" McGinn 1991, S.10 back

51 Ich vermisse hier bei McGinn die Feststellung, daß wir unser Bewußtsein selbst gar nicht direkt wahrnehmen können, sondern daß wir nur durch die Reflexion auf die Bewußtseinsinhalte, auf das Phänomen des Bewußtsein aufmerksam werden, denn in dieser Reflexion liegt auch schon ein Ausdruck der Unnahbarkeit des Bewußtseins. An anderer Stelle aber geht der auf diese Problematik ein. vgl. McGinn, Bewußtsein und Raum, in: Metzinger 1996, S.184 back

52 Ergäben sich auf diese Weise tanzende Qualia? Zu tanzenden Qualia vgl. Chalmers in: Metzinger 1996, S. 380-7 back

53 McGinn 1991, S.10 back

54 Wir könnten Mensch und Zombie, die physiologisch identisch sind, nicht unterscheiden. Etwas abstrakter ist die Vorstellung, daß vielleicht bei komplexen Maschinen, bei denen die Informationsverarbeitung, die bei uns physiologisch realisiert ist, digital verwirklicht wird, Bewußtsein hervorbringen könnte. back

55 Das "ursprüngliche Bei-sich-Sein, das die Wurzel des Bewußtseins ausmacht, ist selbst nichts bewußtes, geschweige denn das Be-wußt-sein von bestimmten physischen oder psychischen Eigenschaften, die ich so habe." Haeffner 1989, S111 back

56 McGinn 1991, S.11 back

57 Diesen Weg scheint es mir zwar doch zu geben, aber er ist für uns inhaltlich leer, bzw. er enthält einfach alles und das ist für uns einfach zuviel, so daß wir nur diese Verbindung sehen. Genau diese Verbindung ist es, die uns wissen läßt, daß wir begrenzt sind. back

58 McGinn 1991, S.11 back

59 McGinn, Bewußtsein und Raum, in: Metzinger 1996, S.183 back

60 McGinn 1991, S.11 back

61 Ausführlicher zu dieser These vgl. McGinn, Bewußtsein und Raum, in: Metzinger 1996, S.183-200 back

62 vgl. oben back

63 McGinn 1991, S.3 back

64 Bieri in: Metzinger 1996, S.76 back