PHILOSOPHIE
Warum wir das Leib-Seele-Problem nicht lösen können
Andreas Manfrin
Dieser Text ist nur zum Lesen bzw. zum privaten Gebrauch veröffentlicht.
Bei anderweitigen Nutzungen bitte zuvor eine Erlaubnis bei
mir einholen. © Andreas Manfrin 1997
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Was ist Philosophie?
Die Bedeutungen von Bewußtsein
Das Wunderbare des phänomenalen Bewußtseins
Was ist phänomenales Bewußtsein?
Wissenschaft und phänomenales Bewußtsein
Können wir das Leib-Seele-Problem lösen?
Warum wir das Leib-Seele-Problem nicht lösen können
Kognitive Begrenztheit
Literaturverzeichnis
Fußnoten
Einleitung

Wenn ich die Einleitung von Thomas Metzinger in dem von ihm
herausgegebenen Buch "Bewußtsein" lese, dann scheint es
mir, daß die philosophische Epoche des Bewußtseins begonnen
hat, in der sich die Probleme der Philosophie am Bewußtsein
entfachen.
Zu jeder Zeit in der Philosophie gab es einen Punkt, von dem aus die
philosophischen Probleme bevorzugt angedacht wurden. Nach A. Keller gab es
in der abendländischen Philosophie derer bisher drei. Zur ihrer
Bestimmung orientiert sich Keller an den drei skeptischen Thesen des
Gorgias.2 "Nichts existiert.",
"Selbst wenn etwas existiert, so ist es nicht erkennbar." und
"Selbst wenn etwas erkennbar ist, so ist es nicht mitteilbar."
Die Philosophie des ersten Abschnitts beleuchtet die Wirklichkeit unter
der Rücksicht des Seienden und entspricht der ersten These des
Gorgias. Die Philosophie im zweiten Abschnitt ist bestimmt durch die Suche
nach der sicheren Erkenntnis der Wirklichkeit und von der Erkenntnis
handelt Gorgias zweite These. Die Philosophie des dritten Abschnittes
wendet sich dem Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit zu und auf
die Sprache bezieht sich Gorgias dritte These.
Auch wenn diese Einteilung vieles nicht berücksichtigt, ist sie
durchaus brauchbar. Auf den bisher letzten Abschnitt, die
Sprachphilosophie, scheint nun ein vierter Abschnitt zu folgen, der aus
der Perspektive des Bewußtseins die philosophischen Probleme angeht,
die Philosophie des Geistes (philosophy of mind).3
Die Sprachphilosophie4 geht die Probleme in der
Weise an, daß sie erst einmal einen Schritt zurücktritt und
untersucht, wie wir über die Phänomene reden. Sie vertritt die
These, daß wir erst einmal Klarheit darüber gewinnen
müssen, was es heißt, etwas zu benennen. Dahinter steht die
erkenntnistheoretische Prämisse, daß jede Erkenntnis, die
über ein reines Phänomen hinausgeht, an die Sprache gebunden
ist. Der Verdienst der Sprachphilosophie ist es, auf die Beziehung von
Phänomen und Sprache aufmerksam gemacht zu haben, aber sie setzte
ihre anfangs nur kritische Korrektur in dem Sinne absolut, daß sie
sich als eine von den empirischen Wissenschaften unabhängige
Disziplin betrachtete, so daß ihr die Kritik, die schon der
Metaphysik widerfahren ist, auch bei sich gelten lassen muß, den
"Probierstein der Erfahrung"5
ausklammert zu haben.
Aber die Auffassung, daß die sprachanalytische Philosophie
vollkommen voraussetzunglos sei und auch von der Empirie unabhänig,
übersieht, daß bei jedem Begriff, den wir für ein
Phänomen verwenden, bereits immer ein Vorurteil über dieses
Phänomen enthalten ist. D.h., analytische Sätze a priori sind im
strengen Sinn nicht möglich. Analytische und synthetische Sätze
werden nicht mehr getrennt, sondern nur noch unterschieden8. "Der neuen Interpretation zur Folge handelt
es sich dabei um eine relative Unterscheidung ... Und das bedeutet,
daß es keine strikte Trennung zwischen Begriffsanalyse und
empirischer Wissenschaft gibt: Was als eine begriffsanalytische Auskunft
gilt, hängt vom Stand unseres Wissens ab."9 Darin kommt eine grundsätzliche Kritik an dem Anspruch der
Erkenntnistheorie zum Ausdruck, unser gesamtes Wissen auf ein
voraussetzungsloses, unbezweifelbares bzw. apriorisches Fundament10 zu stellen.
11
Descartes hatte eben genau die Bewußtseinszustände als
unbezweifelbaren Ausgangspunkt entdeckt. Damit aber hat er gleichzeitig
das Bewußtsein der wissenschaftlichen Betrachtung entzogen. Wenn es
aber prinzipiell keinen voraussetzungslosen Ausgangspunkt geben kann,
trifft dies auch nicht mehr auf das Bewußtsein zu, das jetzt
wissenschaftlich betrachtet werden kann ohne, daß eine
zirkuläre Abhängigkeit entsteht.12
"Wenn unsere mentalen Zustände nicht mehr als die Basis der
Wissenschaft angesehen werden, so gibt es keinen Grund mehr, warum sie
nicht ein Thema empirischer Forschung sein sollten."
Das heißt aber noch lange nicht, daß damit nun alle Probleme
gelöst wären - nein, sie fangen gerade erst an. Denn die
Philosophie und das Problem des Bewußtseins gebärden sich wie
Hydra, daß wenn ein Problem gelöst ist, dadurch neue entstehen,
wobei es mir scheint, als könnten wir uns glücklich
schätzen, wenn es für jedes gelöste Problem stets bei nur
zwei neuen Problemen bliebe! Die Philosophen beschäftigt nun die
Frage, ob wir wohl überhaupt die Kraft des Herakles13 haben werden, die nötig ist, um das
Bewußtsein mit seinen Problemen zu klären.
Was ist Philosophie?

Thomas Metzinger schreibt,
Dem stehe ich mit meiner philosophischen Sicht eher verhalten
gegenüber und erwarte eine "Revolution erster Ordnung"15 vielleicht in der Naturwissenschaft, nicht aber
in der Philosophie. Eine derartige Revolution käme dem Ende der
Philosophie gleich.
Denn mag sich auch die Rücksicht der Betrachtung ändern, - von
der Seinsphilosophie bis zur Geistphilosophie eingeschlossen der
Rücksichten der Betrachtung, die alle noch folgen werden - das
eigentliche Grundproblem der Philosophie wird sich durchhalten. Dieses
Grundproblem ist, die Wirklichkeit zu verstehen. Als Teil dieser
Wirklichkeit kann der Mensch sie nie überblicken. Dies gilt für
den Makrokosmos, in dem der Mensch Teil des Universums ist, so wie
für den Mikrokosmos, in dem der Mensch versucht, seine Innenwelt,
d.h. sein Bewußtsein, zu ergründen. Stets steht er vor dem
Problem, nicht von außen her betrachten zu können, sondern
immer schon durch sich selbst befangen zu sein.16 Dennoch hat der Mensch die Möglichkeit, sich mit der einen
oder anderen Betrachtungsweise der Wirklichkeit zuzuwenden, um auf seine
Weise einen Eindruck der Gesamtwirklichkeit zu erlangen17 Von welcher Seite man die Wirklichkeit auch zu
verstehen sucht, so scheint es, daß es sich im Kern stets um
dasselbe philosophische Problem handelt, das seinen Ursprung darin hat,
daß der Mensch immer mit zur Wirklichkeit gehört und ihr nicht
außen vorsteht, was gleichbedeutend mit der Endlichkeit ist.
Auf diesem Hintergrund sei nun eine Definition für die Philosophie
vorgeschlagen. Mit Hilfe der Unterscheidung von Formal- und Materialobjekt
läßt sich eine Wissenschaft bestimmen. Ein Vorschlag für
das Formalobjekt der Philosophie ist der Mensch, der alles wissen18 möchte und alles hinterfragt, was für
ihn als Menschen, d.h. gerade in seiner Eigenschaft als Mensch, wichtig
ist.19 Mit zunehmendem Wissen aber wird immer
deutlicher, daß der Mensch begrenzt ist - und dies nicht nur im
Hinblick auf sein Wissen. Eine konstitutive anthropologische Eigenschaft
des Menschen ist seine Begrenztheit.
So kann man von der Philosophie als einer Wissenschaft der Grenzen
sprechen, deren Wesen die Suche nach den Grenzen und der Umgang mit diesen
Grenzen ist20. Man kann sagen, daß die
Frage nach den Grenzen das Formalobjekt der Philosophie ist. Das besondere
an diesem Formalobjekt ist, daß mit ihm prinzipiell alles zum
Materialobjekt der Philosophie werden kann. Es kann demnach Philosophien
von allen nur denkbaren Gegenstandsbereichen geben.
Vielleicht würde Wittgenstein meiner Grenzphilosophie zustimmen
können, zumindest hat er folgenden Satz geschrieben:
Mein Vorschlag ist nun, diesen Satz der Sprachphilosophie in einen Satz
der Philosophie des Geistes zu übersetzen, um der aktuellen
philosophischen Betrachtungsrücksicht gerecht zu bleiben:
Die Grenzen meines Bewußtseins bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Die Probleme, die sich bei der Betrachtung des Bewußtseins ergeben,
berühren und verweisen auf die tiefsten philosophischen Probleme, die
Begrenztheit des Menschen. Deshalb ist das Bewußtsein als
Ausgangspunkt für philosophische Grundfragen sehr geeignet.
Die Bedeutungen von Bewußtsein

Was wollen wir unter Bewußtsein verstehen? Bei welcher Bedeutung von
Bewußtsein kommen wir an unsere Grenzen? Oder anders gefragt,
welches Phänomen, das wir als Bewußtsein bezeichnen, ist uns so
unerklärlich, daß wir uns bisher nicht einmal seine
Erklärung vorstellen können?
Bieri unterscheidet drei Begriffe von Bewußtsein:22
(1) Bewußtsein als integriertes Verhalten23 beschreiben die Charakteristika, aus denen wir schließen,
daß ein Subjekt Bewußtsein hat. Integriertes Verhalten
können wir mittels Biologie und Physiologie untersuchen und einordnen.
(2) Bewußtsein im Sinne unterschiedlicher kognitiver
Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Lernen und Erinnerung. Obwohl die
kognitiven Fähigkeiten schon nicht mehr so leicht zu untersuchen und
zu erfassen sind, wie integriertes Verhalten, haben wir dennoch den
Eindruck, daß sie erklärbar sind.
(3) Bewußtsein im Sinne von Erleben: Unser Erleben ist eine
Empfindung, die man in Sinnesempfindungen von Farben und Tönen und
emotionales Empfinden von Freude oder Angst und anderes mehr einteilen
kann. Das Besondere an all diesen Empfindungen ist, daß sie sich auf
bestimmte Weise anfühlen. Es ist irgendwie, Vanilleeis zu essen, und
es ist irgendwie, sich dabei zu freuen.
Das Bewußtsein des Irgendwie nennen die Philosophen
phänomenales Bewußtsein24 und seine
Inhalte bezeichnet man als Qualia. Ein Beispiel für ein Quale ist
z.B. das Vanillequale als Geschmacksempfindung von Vanille.
Und dieses Erleben scheint unbegreiflich zu sein. Das läßt sich
auch so sagen, daß wir in unserer Erkenntnis des phänomenalen
Bewußtseins derzeit unsere Grenze deutlich merken. Folglich ist es
nur konsequent, wenn sich die Philosophie als Grenzwissenschaft gerade mit
dem phänomenalen Bewußtsein auseinandersetzt.
Das Wunderbare des phänomenalen Bewußtseins

Solange mich keiner fragt, was Bewußtsein ist, weiß ich es,
sobald jemand aber fragt, und ich es erklären soll, weiß ich es
nicht.25 Die Probleme des phänomenalen
Bewußtseins erscheinen, sobald wir Fragen zum Bewußtsein
stellen und auf sie eine Antwort suchen.
Die Frage nach dem Bewußtsein hat für uns eine besondere
Bedeutung, weil es uns in der Weise ausmacht, daß wir überhaupt
wahrnehmen, daß es da etwas wahrzunehmen gibt, und wie es ist, dies
wahrzunehmen. Alle Zustände, die wir erleben, wie etwas ist und wie
es sich anfühlt, kommen dort her bzw. führen direkt zum
Bewußtsein und sind mit ihm aufs engste verbunden. Bewußtsein
bildet unsere Wirklichkeit. Es gibt deshalb nichts, was uns näher und
unmittelbarer erscheint. Versuchen wir aber unser Bewußtsein zu
betrachten, entgleitet es. Das fängt schon damit an, daß wir
unser Bewußtsein selbst direkt nicht wahrnehmen können, sondern
nur etwas, das sich in unserem Bewußtsein zeigt und anfühlt.
Was ist phänomenales Bewußtsein?

Wenn die Philosophie sich die Frage nach dem Bewußtsein stellt und
sie zum Mittel- und Ausgangspunkt ihrer überlegungen macht, dann ist
es ihre erste Aufgabe, die Methode, mit der sie diese Frage untersuchen
möchte zu diskutieren und zu klären.
Das Wort Methode kommt aus dem griechischen und bedeutet "Weg etw. zu
erreichen". Um den Weg zu bestimmen, muß man aber auch das Ziel
kennen. Der Weg orientiert sich am Ziel. Gleichzeitig wird aber auch das
Ziel durch den Weg bestimmt. Das Ziel orientiert sich am Weg. Weg und Ziel
bedingen sich gegenseitig. Dies kann man gewissermaßen in der
Aussage Der Weg ist das Ziel. zusammenfassen. In diesem Sinne kann man
sagen, daß in der richtig formulierten Frage, schon die Hälfte
der Antwort gegeben ist. Es ist demnach die Aufgabe der Philosophie
herauszufinden, ob eine Frage richtig gestellt ist. Kann man
beispielsweise vom Ort des Bewußtseins reden, oder ist diese
Verknüpfung ein Kategorienfehler? Angenommen man kann vom Ort des
Bewußtseins sprechen, was ist dann darunter zu verstehen? Kann diese
Prädikation vielleicht nur im übertragenen Sinne verwendet
werden, so daß sie richtig ist, solange man weiß, daß
sie stets im übertragenen Sinn verwendet ist?
überaus viele Fragen lassen sich an das Bewußtsein stellen. Wie
verhält sich die jeweils bewußte Wirklichkeit zu der scheinbar
tatsächlichen Wirklichkeit? In welchem Verhältnis steht die
Wirklichkeit, die das Bewußtsein einem vermittelt, zur Wirklichkeit
anderer Bewußtseinssubjekte? Läßt sich Bewußtsein
mit wissenschaftlichen Mitteln, z.B. denen der Physik, beschreiben und
erklären? Hängt das Bewußtsein von Gesetzen ab, die sich
physikalisch beschreiben lassen? Woher kommt Bewußtsein? Wie
entsteht Bewußtsein? Welche Voraussetzungen sind für
Bewußtsein notwendig? Was macht die Empfindungen aus? Von was sind
phänomenale Eigenschaften Eigenschaften? Ist eine Theorie über
Bewußtsein prinzipiell möglich? Alle diese Fragen bündeln
sich in der Frage, "Was ist das Bewußtsein?".
Wissenschaft und phänomenales Bewußtsein

Von was sind phänomenale Zustände Zustände? Sind es
Zustände bestimmter neuronaler Aktivitäten im Gehirn? Ist es
eine bestimmte Art und Intensität an Informationsverarbeitung?
Zwischen dem erleben eines Quale und bestimmten physikalischen,
physiologischen, neurobiologischen oder informationsverarbeitenden
Prozessen (P) gibt es einen Zusammenhang. Erleben ist supervenient
gegenüber P, d.h. Erleben ändert sich nur, wenn bei P eine
Veränderung geschieht.27 Es gibt nun
unterschiedliche Beziehungen28 zwischen Erleben
und P, das Entscheidende aber ist , daß P immer notwendig ist.
Aus dem oben Gesagten geht die Unterscheidung phänomenaler
Zustände von physikalischen, physiologischen, neurobiologischen oder
informationsverarbeitenden Zuständen hervor.
Das Erleben des Geschmacks von Vanilleeiscreme ist nicht die nervliche
Reizung der Zunge, die Informationen in Form von elektrischen Strömen
an das Gehirn leitet und auch von dort empfängt, gleichwohl das
Erleben von ihnen irgendwie abhängt. Denn wenn wir nur diese
Ströme beobachteten, kämen wir nie auf die Idee, daß sie
so etwas wie das Geschmackserlebnis von Vanilleeis haben. Die Ströme
sind weder erfrischend kalt, noch schmecken sie nach Vanille.
Das große Problem nun ist, daß sich diese Zustände nicht
nur unterscheiden, sondern sie schließen sich gar aus.29
An dieser Stelle stehen wir vor dem Rätsel des Bewußtseins.
Durch die wissenschaftliche Betrachtung können wir uns der Empfindung
an sich nicht nähern. Die elektrische Reizung eines Neurons mag zwar
irgendwie das Empfinden einer Farbe hervorrufen, aber es hat nicht die
Eigenschaft des Quale einer Farbe.
Ich denke, daß man zwischen Wissenschaft und Bewußtsein nicht
so stark zwei Lager aufbauen sollte. Es stimmt zwar, daß die
Wissenschaft sich dem Bewußtsein nur sehr eingeschränkt
zuwenden kann, aber das resultiert aus dem generellen Problem der
Wissenschaft zu abstrahieren.
Und das Abstrahieren hat sowohl Vor- als auch Nachteile.32 So ist dies auch mit der Methode der
Abstraktion in der Wissenschaft. Sie hilft uns weiter, Zusammenhänge
zu verstehen, indem sie vom Einzelfall abstrahiert. Gleichzeitig aber
entfremdet die Abstraktion den Einzelfall, weil sie ihn nur unter einer
bestimmten Rücksicht betrachtet. Alle anderen Eigenschaften werden
vernachlässigt.
Um uns in unserer Welt zurechtzufinden und unser Leben zu organisieren und
zu erhalten, können wir uns nicht auf alles einlassen. Durch unsere
Begrenztheit sind wir gezwungen auszuwählen. Dabei aber können
wir die Rücksicht, unter der wir auswählen, aussuchen. Diese
Struktur ist schon in unserer Erkenntnisstruktur grundgelegt. Wir sehen
von all dem, was wir wahrnehmen, nur einen Ausschnitt bewußt und
objektivieren schon beim Sehen.33 Wir
wählen ebenfalls aus und abstrahieren, wenn wir Begriffe bilden und
verwenden. Das Gleiche gilt für unser Denken.34 Die Naturwissenschaft nimmt dieses unser Erkenntnisprinzip auf und
betreibt es sehr professionell. Dabei hilft sie uns auch sehr weiter. Aber
man muß sich immer bewußt sein, daß dies
gewissermaßen nur die Art und Weise ist, mit der wir mit unserer
Begrenztheit möglichst gut fertig werden wollen. Es ist also
völlig fehl am Platz von der Naturwissenschaft zu erwarten, daß
sie unsere Begrenztheit aufhebt, weil sie nicht nötig wäre, wenn
wir nicht mit unserem Erkenntnispotential so gut wie möglich
haushalten müßten. Die Wissenschaft kann unsere Probleme also
prinzipiell nicht lösen. Wenn wir uns dessen fortwährend
bewußt bleiben, ersparen wir uns viele Probleme und Unklarheiten.
Die Aufgabe der Philosophie ist es, diese Unklarheiten immer wieder
aufzudecken und dem Menschen zu sagen, wer er eigentlich ist. Weil der
Mensch aber immer wieder in Versuchung gerät, sich zu
überschätzen, wird die Philosophie nicht aussterben.
Sollten wir aber wider Erwarten unsere eigenen Grenzen übersteigen,
werden wir die angekündigte Revolution erster Ordnung erleben. Dies
wäre das Ende der Philosophie und aller Wissenschaft.
Können wir das Leib-Seele-Problem
35 lösen?

Das Gehirn ist für Bewußtsein kausal verantwortlich, aber wir
haben keine Vorstellung, wie das so sein kann. Die Kovarianzen36 zwischen Gehirnprozessen und Erlebnissen
scheinen, selbst wenn wir sie als Gesetze auffassen, nicht weiter in das
Netz der übrigen bekannten Gesetze einbettbar zu sein; sie bilden
vielmehr allesamt lose Enden - was darauf hinweist, daß beim
Bewußtsein etwas systematisch unverstanden geblieben ist.37 McGinn vertritt bezüglich der Tatsache der
systematischen Unklarheit die gleiche Meinung wie Bieri.
Aber McGinn denkt insofern anders, als er die Meinung vertritt, daß
der Nebel dieses Unverständnisses sich nie lichten wird, weil wir in
unserer Erkenntnis prinzipiell begrenzt sind.
Welche Arten von Begrenzung gibt es, und wie wirken sie sich aus? Bieri39 unterscheidet sinnliche Begrenztheit,
Begrenztheit, Begriffe zu bilden, und Begrenztheit, die richtigen Fragen
zu stellen.
Wie diese Grenzen einander bedingen mögen, ist in der Philosophie
nicht unumstritten. Wie weit ist es aber überhaupt nötig, das
Verhältnis dieser Grenzen zu klären, um zu zeigen, daß wir
schlechthin begrenzt sind und daß das, was uns nicht ins
Bewußtsein kommt, ob nun in sinnlicher, denkender oder welcher Weise
auch immer, uns daran hindert, das Rätsel des Bewußtseins zu
lösen?
Das, was uns nicht zugänglich ist, können wir freilich niemals
erkennen, aber wir erhalten darauf immer wieder Hinweise40, wenn wir versuchen, mit der Welt
zurechtzukommen. Dieses Wissen beschränkt sich einzig und allein
darauf, daß wir wissen, daß wir nicht wissen. Die These,
daß wir auch nicht wissen, d.h. kognitiv begrenzt sind, ist keine
Hypothese, sondern unsere Realität.
Kognitive Begrenzung also ist keine Hypothese, wie Bieri es darstellt.
Während ich aus dem Umgang mit der Welt, in der wir
einigermaßen zurechtkommen, die Hinweise auf unsere Begrenztheit
ableite, die es uns versagt, das Problem des Bewußtseins zu
lösen, versucht Bieri aus dem Umgang mit der Welt41 heraus zu zeigen, daß unsere kognitive
Begrenzung nicht dafür verantwortlich ist, daß wir das
Bewußtsein als Rätsel empfinden. Obwohl er zugibt, daß
die These so gebaut ist, daß er sie nicht widerlegen kann, versucht
er aus der Tatsache, "daß wir, wenn es nicht gerade um Erleben
geht, mit unseren begrifflichen Mitteln und unseren Erklärungsmustern
beim Gehirn trotz der vielen noch offenen Fragen ganz gut zurecht
kommen", zu zeigen, daß es unglaubwürdig ist, unsere
kognitive Begrenzung für unser Problem mit dem Bewußtsein
verantwortlich zu machen.
Das Argument, das Bieri hier anführt, sollte retorsiv ansetzen, d.h.
dadurch widerlegen, daß es dem Gegner nachweist, daß er sich
anders verhält, als er es seiner These nach müßte. Die
Retorsion ist das klassische Argument gegen die Skepsis.42 Ich sehe aber nicht, wie dieses Argument
greifen soll. Denn wir haben allerlei Mühe, mit der Welt
zurechtzukommen, das zeigt sich vor allem in der praktischen Philosophie
wie z.B. der Ethik. Die Ethik wäre überflüssig, wenn wir
nicht Schwierigkeiten hätten, mit der Welt und auch mit uns
zurechtzukommen. Aber auch in der theoretischen Philosophie lassen sich
durchaus - vom Problem des Bewußtseins einmal abgesehen - Momente
finden, die darauf hinweisen, daß wir durchaus nicht nur gut mit uns
zurechtkommen, wie dies beispielsweise in der Existenzphilosophie Sartres
anklingt. Was ist nun relevant, die Tatsache, daß wir zurechtkommen,
oder die Tatsache, daß wir nicht zurechtkommen?
Wenn Bieri Recht haben sollte, so frage ich mich, wenn es nicht unsere
Begrenztheit ist, die uns die Probleme bereitet, was ist es eigentlich
dann?
Warum wir das Leib-Seele-Problem nicht lösen können

Colin McGinn nimmt zum Thema Bewußtsein im Artikel "Can We
Solve the Mind-Body Problem?", der erstmals im Juli 1989
veröffentlicht worden ist, Stellung. McGinn vertritt eine
naturalistische Auffassung, d.h. er denkt nicht, daß das
Bewußtsein "von außen" zu der Materie hinzukommt,
sondern daß es von ihr abhängt und sich folglich auch von ihr
aus erklären läßt.
Dennoch ist die Argumentation von McGinn weniger konstruktiv als skeptisch:
(1) Es gibt da eine Eigenschaft des Gehirns, die in naturalistischer Weise
für Bewußtsein verantwortlich ist.
(2) Wir sind kognitiv begrenzt im Hinblick auf diese Eigenschaft.
(3) Wir können das Leib-Seele-Problem nicht lösen.
Wenn wir im Folgenden annehmen, daß der Obersatz (1) wahr ist bzw.
nicht widerlegt werden kann, können wir den Schluß (3) nur
dadurch zu Fall bringen, daß wir den Untersatz (2) widerlegen. D.h.,
wir müßten zeigen können, daß wir im Hinblick auf
die Eigenschaft, die für das Bewußtsein verantwortlich ist,
nicht begrenzt sind. Denn für "ein Wesen, das nicht in dieser
Weise kognitiv begrenzt wäre, gäbe es durchaus eine Lösung
unseres Rätsels. Oder eigentlich ist die bessere Beschreibung die:
Für ein solches Wesen gäbe es hier von vornherein gar kein
Rätsel."45
Wenn also die kognitive Begrenztheit schuld daran ist, daß das
Bewußtsein für uns ein Rätsel ist, was versteht man dann
unter kognitiver Begrenztheit und was bewirkt sie?
Kognitive Begrenztheit

McGinn definiert kognitive Begrenztheit (cognitive closure)
folgendermaßen:
Jedes Bewußtsein hat seinen Horizont, die ihm eigenen
Fähigkeiten und Begrenzungen. Dieser Horizont kann unter den
verschiedenen "Bewußtseinen" fast der gleiche sein oder
sich erheblich unterscheiden; vergleichsweise wenig Unterschied ist
zwischen den Menschen, sehr deutlich aber ist der Unterschied zwischen
Mensch und Fledermaus, denn was im Horizont einer Fledermaus liegt,
muß noch lange nicht in unserem liegen. Bewußtsein ist nicht
umfassend im dem Sinne, daß alles, was real ist, uns auch
bewußt sein müßte - genau das ist kognitive Begrenzung.
Ein kognitiv begrenztes Bewußtsein kann nur auf seine Wirklichkeit
reflektieren und nicht auf die, die außerhalb seiner
Erkenntnisfähigkeit liegt. Wenn ein Wesen begrenzt ist, erlebt es das
"mehr" an Wirklichkeit nicht. Wer aber in seiner
Erkenntnisfähigkeit prinzipiell begrenzt ist und dies auch merkt oder
aber zugibt, der muß zugeben, daß es etwas gibt, daß ihm
prinzipiell vorenthalten ist und das muß freilich auch existieren.
Kognitive Begrenztheit ist folglich kein Irrealismus.
Ist der menschliche Verstand gegenüber bestimmten wissenschaftlichen
Theorien begrenzt? Das gleiche, was für den Bewußtseinshorizont
gilt, trifft auch auf die Theorien zu, die wir bilden können. Nichts
in unserer Wirklichkeit deutet darauf hin, daß die menschliche
Fähigkeit, Theorien zu entwickeln, nicht auch begrenzt ist. Die
Theorien, die wir bilden können, fangen nur unsere Wirklichkeit ein
und eben nicht den Teil der Wirklichkeit, der uns verschlossen ist.
Daraus, daß wir merken, daß die Eigenschaft und die Theorie
des Bewußtseins verschlossen sind, läßt sich ableiten,
daß es sie aber geben muß. Nehmen wir also an, daß es
irgendeine Eigenschaft, die für das Bewußtsein verantwortlich
ist, tatsächlich gibt. Dazu gibt es dann auch eine Theorie, die sich
auf diese Eigenschaft bezieht, die die Supervenienz von
Erlebenszuständen gegenüber den physiologischen Zuständen
erklärt. Kennten wir diese Eigenschaft und die dazugehörige
Theorie und verstünden wir sie, hätten wir das
Leib-Seele-Problem gelöst.
McGinn führt zwei Wege an, die uns offenstehen, die Supervenienz des
Bewußtseins in Bezug auf die Physiologie zu erkennen: Wir
können versuchen von der einen Seite her die Brücke zur anderen
Seite zu schlagen oder umgekehrt, indem wir von unserem Bewußtsein
ausgehen, wie es uns gegeben ist, um zur Physiologie zu gelangen (I) oder
wir können uns auf die Physiologie des Gehirns einlassen, um die
Bewußtseinszustände zu erfassen bzw zu erfühlen (II).
(I) Können wir50 phänomenologisch51 klären, indem wir durch Introspektion
vorgehen, was Bewußtsein ist? Aber durch diesen Zugang der
Introspektion kommen wir der Supervenienz nicht näher. Die
Introspektion zeigt Bewußtsein nicht in seiner Abhängigkeit vom
Gehirn. Die Supervenienz liegt außerhalb unseres Vermögens der
Introspektion. Das ist in dem Sinne nichts Verwunderliches, wenn man
bedenkt, daß viele Eigenschaften sich der Introspektion entziehen,
warum nicht auch die Supervenienz?
Aber selbst wenn wir nun durch Introspektion das Problem unseres eigenen
Bewußtsein gelöst hätten, bliebe das Problem immer noch
dort bestehen, wo uns Introspektion verwehrt ist, z.B. bei unseren
Mitmenschen und noch mehr bei Fledermäusen.
Und nehmen wir mal an, wir hätten das Problem des Bewußtseins
für die Fledermaus gelöst, wie könnten wir erfahren, wie es
ist eine Fledermaus zu sein? In diesem Satz liegt gewissermaßen ein
Widerspruch, aber genau der zeigt das Dilemma, in dem wir uns befinden.
Eine wahre psychophysikalische Theorie müßte die
Bewußtseinserfahrung der Fledermaus, d.h., wie es ist Fledermaus zu
sein, diese Erfahrung des Erlebens aus der Sicht einer Fledermaus, mit
enthalten. D.h.: Hätten wir konsistente Theorie über
Fledermäuse, wären wir irgendwie selber Fledermäuse.
Das heißt dann aber auch, daß, wenn wir die Theorie des
Bewußtseins überhaupt gelöst hätten, wir einfach
alles erleben würden, wie es ist. Dies kann ich mir gar nicht
vorstellen, die Welt zugleich aus der Sicht der Fledermaus via Ultraschall
zu sehen bzw. zu hören und gleichzeitig die Welt aus der Sicht eines
Insekts mit seinen Facettenaugen, so daß jeder Kinofilm mit seiner
niedrigen Bildfolge zu einer Zumutung würde. Diese Vorstellung ist
für mich, wie die Einführung von mehr als drei Dimensionen im
Raum - ich könnte sie vielleicht zwar irgendwie berechnen, aber
erleben, wie es ist, die Welt in beispielsweise sechs Dimensionen zu
erleben, kann ich nicht - welch Wunder, denn ich habe das Problem des
Bewußtseins ja noch nicht gelöst.
Und noch eine Frage stellt sich mir da: Nehmen wir also an, wir
hätten das Problem des Bewußtseins gelöst, und wir
verfügten über alle "Bewußtseine" und wir
könnten zwischen all diesen Arten, wie es ist, in der Welt zu sein -
z.B. der der Fledermaus, unserer eigenen und der des Insekts - hin- und
herschalten, würden wir dann so etwas wie einen Schnitt
52 mitbekommen oder nicht?
II Können wir von der physiologischen Seite her verstehen, was
Bewußtsein ist?
Wie lange wir auch und unter welcher Rücksicht auch immer in das
Gehirn schauen mögen, das Erleben, das gegenständliche
Bewußtsein, das Erleben, das dieses Gehirn hervorbringt, ist uns
nicht zugänglich.54 Was für das
gegenständliche Bewußtsein gilt, trifft in noch stärkerer
Form auf das ungegenständliche Bewußtsein55 selbst zu, denn das haben wir ja noch nicht einmal unmittelbar von
uns selbst. "In other words, consciousness is noumenal with respect
to perception of the brain."56
Bewußtsein ist für uns keine direkt zu betrachtende Eigenschaft
des Gehirns, d.h. die Eigenschaft, die Bewußtsein hervorbringt, ist
für uns kognitiv unzugänglich.
Diese Tatsache ändert sich auch nicht, wenn wir nun versuchen
sollten, das was wir wahrnehmen, irgendwie durch einen Schluß auf
die Eigenschaft des Bewußtseins zu übertragen. Wir können
nicht über das, was wir wahrnehmen, hinaus zur Eigenschaft, die
für das Bewußtsein verantwortlich ist, gelangen.57
Dies liegt vor allem daran, daß unsere Sinne räumlich
ausgerichtet sind. Sie zeigen uns unsere Wirklichkeit immer in den
Koordinaten des Raums. Aber dies sind Koordinaten, die in sich ungeeignet
sind, das Problem des Bewußtseins zu lösen. "Schon nach
... räumlichen Eigenschaften [des Bewußtseins]zu fragen,
bedeutet, eine Art Kategorienfehler zu begehen."59
D.h., auch der Weg, von der Physiologie her eine Brücke zum
Bewußtsein zu schlagen, scheitert letzten Endes an unserer
kognitiven Begrenzung.
In der Disjunktion zwischen Introspektion und physiologischer Betrachtung
hat McGinn vergessen zu berücksichtigen, ob es vielleicht auch
möglich wäre, mit einer Kombination dieser beiden, das Problem
des Bewußtseins zu lösen. Ich bin nur eingeschränkt mit
der Unterscheidung von McGinn einverstanden, weil es mir scheint,
daß wir ohnehin nicht strikt trennen können, wie McGinn es hier
getan hat, da wir diese beiden ohnehin zwangsläufig gemeinsam
für jede Erkenntnis einsetzen. Denn ohne daß mir überhaupt
etwas bewußt ist, kann ich nie wissenschaftlich arbeiten. Das
Bewußtsein ist die Voraussetzung zur Wissenschaft überhaupt.
Auf der anderen Seite ist jede Wissenschaft auf Daten angewiesen. Um eine
wissenschaftliche Theorie des Bewußtsein aufzustellen, reichen die
physiologischen Daten allein nicht aus, sondern auch die Daten des
Erlebens selbst müssen berücksichtigt werden - aber so eine
konsistente wissenschaftliche Theorie erzeugte sogar neues bzw.
erweiterte62 das Bewußtsein.
Nimmt man nun diese Argumente zusammen, steht man in einem Kreis, das eine
setzt das andere stets voraus. Dies ist aber eine auswegslose Lage, um
Wissenschaft zu betreiben, in deren Definitionen nicht ein und dasselbe
sowohl als Explanandum als auch als Explanans stehen kann.
Auch der dritte Weg ist uns versperrt. Daß wir in diesen Kreis
gelangen, ist wieder eine Auswirkung unserer kognitiven Begrenztheit.
McGinn hat also mit seiner Aussage
Recht behalten.
Nun erinnere ich an den Syllogismus über die Erkenntnis des
Bewußtsein:
(1) Es gibt da eine Eigenschaft des Gehirns, die in naturalistischer Weise
für Bewußtsein verantwortlich ist.
(2) Wir sind kognitiv begrenzt im Hinblick auf diese Eigenschaft.
Der Untersatz (2) ist also bewiesen. Es folgt also (3).
Auch wenn wir herausgefunden haben, daß wir das
Problem des Bewußtseins nicht lösen können, haben wir
keinen Grund und ist es auch nicht sinnvoll, das Buch einfach zuzuklappen64, denn wir
müssen ja mit unserer Begrenztheit umgehen, und das tun wir, indem wir
das, was wir haben, so gut wie möglich einsetzen.
Literaturverzeichnis

Bieri, Peter (Hrsg.): Analytische Philosophie des Geistes, Bodenheim
21993
Haeffner, Gerd: Philosophische Anthropologie, Stuttgart 21989
Keller, Albert: Sprachphilosophie, Freiburg 21989
McGinn,
Colin: The Problem of Consciousness, Oxford 1991
Metzinger,
Thomas (Hrsg): Bewußtsein, Paderborn 31996
Weissmahr, Bela: Ontologie, Stuttgart 21991
Wittgenstein, Ludwig: Tractatus logico-philosophicus, Frankfurt
101995
Fußnoten

1
Metzinger 1996, S.15
2
Keller 1989, S.14
3
Die Vorlesung in Philosophiegeschichte (IV) im Sommersemester 1997 an der
Hochschule für Philosophie in München, die G. Brüntrup
halten wird, hat das Thema: Analytische Philosophie: Von der Sprache zum
Geist.
4
Meine Ausführung bis zur nächsten überschrift vgl. Bieri
1993, S.13-20
5
Aus Kants Vorrede zur ersten Auflage der Kritik der reinen Vernunft:
"Dadurch aber stürzt sie [die Vernunft] sich in Dunkelheit und
Widersprüche, aus welchen sie zwar abnehmen kann, daß irgendwo
verborgene Irrtümer zum Grunde liegen müssen, die sie aber nicht
entdecken kann, weil die Grundsätze, deren sie sich bedient, da sie
über die Grenze der Erfahrung hinausgehen, keinen Probierstein der
Erfahrung mehr anerkennen. Der Kampfplatz dieser endlosen Streitigkeiten
nun heißt Metaphysik."
6
Bieri 1993, S.13
7
Bieri 1993, S.17
8
Das Wort "unterscheiden" soll zum Ausdruck bringen, daß
ein gegenseitiger Bezug besteht, was aber nicht bedeutet, daß man
keine Unterschiede feststellen könnte.
9
Bieri 1993, S.19
10
vgl. Wittgenstein: Tractatus 5.5571: "Wenn ich die
Elementarsätze nicht a priori angeben kann, dann muß es zu
offenbarem Unsinn führen, sie angeben zu wollen."
11
Diese Tatsache steht in direkter Verbindung mit der anthropologischen
Grundkonstante der Begrenztheit des Menschen.
12
Mit diesem Schluß bin ich nicht einverstanden, siehe die
Distinktion weiter unten.
13
Dieser Vergleich gefällt mir gut, denn Herakles hatte Zeus als Vater
aber seine Mutter war sterblich. In ihm kommt die Spannung zum Ausdruck,
die auch unser Wesen bestimmt. Wir haben keine göttliche Kraft und
auch nicht dieses Wissen, aber darum wissen wir. Wird unser begrenztes
Wissen ausreichen, um so erfolgreich wie Herakles zu sein?
14
vgl. Metzinger 1996, S.16
15
Metzinger 1996, S.15
16
Das entspricht der Unterscheidung von Ich- und Es-perspektive
17
Es scheint die Wirklichkeit an sich zu geben: Die Struktur unserer
Erkenntnis weist auf sie hin, sie ist die Bedingung der Möglichkeit
der Erkenntnis unserer Wirklichkeit und der Intersubjektivität.
18
So beginnt Aristoteles seine Metaphysik mit dem Satz "Alle Menschen
streben von Natur aus nach Wissen ...".
19
vgl. Definitionsvorschlag von Keller in: Sprachphilosophie,
Freiburg/München 21989, S.12f.
20
Hegel hat sich auch schon mit diesem Problem beschäftigt: Seine
Erkenntnis zum Thema Grenze lautet: "Eine Grenze zu erkennen,
heißt über sie hinaus zu sein."
21
Wittgenstein: Tractatus 5.6
22
vgl. Bieri in: Metzinger 1996, S.61ff.
23
vgl. auch Haeffner 1989, S.109
24
vgl. Metzinger 1996, S.22
25
In Anlehnung an Augustinus, Confessiones XI, 14
26
Haeffner 1989, S111f.
27
Die Wirkung einer Kopfschmerztablette belegt dies.
28
ausführlicher bei Bieri in: Metzinger 1996, S.65 mit Verweis auf
Jaegwon Kim, Supervenience as a Philosophical Concept, Cambridge 1993
29
ausführlicher nachzulesen bei Bieri 1993, S.5-11
30
Metzinger 1996, S.23
31
Metzinger 1996, S.30
32
Die Tatsache, daß alles für uns sowohl Vorteile als auch
Nachteile hat, verweist auf die Begrenztheit des Menschen.
33
Mir scheint sogar, daß der physiologische Aufbau des Auges auf
diese Abstraktion hin konstruiert ist, wenn man z.B. die Stäbchen und
Zäpfchenverteilung auf der Netzhaut betrachtet. Je weiter etwas in
den Betrachtungsmittelpunkt rückt, um so farbiger sehen wir es.
34
Ich hatte leider noch nicht genügend Zeit um mich mit der Verbindung
von Sprache und Denken ausführlicher auseinanderzusetzen.
35
"The specific problem I want to discuss concerns consciousness, the
hard nut of the mind-body problem." McGinn 1991, S.1 vgl.
ausführlicher Metzinger 1996 S.47f. "Bewußtsein als die
Kernvariante des Leib-Seele-Problems"
36
Kovarianz eine Beziehung der Supervenienz.
37
vgl. Bieri in: Metzinger 1996, S.69
38
McGinn 1991, S.1
39
In den folgenden Absätzen, in denen ich auf Bieri verweise,
referiere ich immer auf Bieri in: Metzinger 1996 S.74-76 überschrift
des Kapitels: "Ist eine kognitive Begrenzung schuld?"
40
Mit diesen Hinweisen beschäftigt sich die Metaphysik: vgl Weissmahr
1991, S.47 §80: "Man muß sich nämlich darüber
Rechenschaft geben, warum wir meinen können, daß die
Wirklichkeit als solche uns nicht zugänglich ist. Der Grund
dafür ist offensichtlich unser Wissen um die nie ganz
überwindbare Distanz zwischen Aussage und Wirklichkeit. Daß wir
um diese Distanz wissen, ist unbezweifelbar, denn sie die Bedingung
dafür, daß das "erkenntniskritische Problem" ...
überhaupt auftauchen kann."
41
Auf den "Umgang mit der Welt" trifft wohl zu, was Kant als
Kampfplatz der Metaphysik bezeichnet, denn aus dem "Umgang mit der
Welt" lassen sich zwei widersprüchliche Thesen ableiten. Vgl.
Kants Vorrede zur ersten Auflage der Kritik der reinen Vernunft.
42
vgl. Aristoteles, Metaphysik IV 1006a
43
Emergence is that "the laws of more complex situations in the system
are not deducible by way of any composition laws or laws of coexistence
from the laws of the simpler or simplest situations(s)". vgl. The
Cambridge Dictionary of Philosphy, S.492 - Emergenz ist das Problem der
kausalen Enden, die einfach nicht weiterführen.
44
McGinn 1991, S.6
45
Bieri in: Metzinger 1996, S.74
46
McGinn 1991, S.2
47
McGinn 1991, S.3
48
noumenal i.S. - ohne P irgendwie näher bestimmen zu können
49
McGinn 1991, S.3-4
50
Mir fällt auf, daß die wir-Form für diesen Zusammenhang
ungeeignet ist, richtiger wäre die ichForm, denn die wir-Form ist
introspektiv gar nicht zugänglich. Aber auch McGinn verwendet sie in
ganzen Absatz über Introspektion: "Can we tell just by
introspecting what the solution to the mind-body problem is? ... We cannot
therefore introspect P:" McGinn 1991, S.10
51
Ich vermisse hier bei McGinn die Feststellung, daß wir unser
Bewußtsein selbst gar nicht direkt wahrnehmen können, sondern
daß wir nur durch die Reflexion auf die Bewußtseinsinhalte,
auf das Phänomen des Bewußtsein aufmerksam werden, denn in
dieser Reflexion liegt auch schon ein Ausdruck der Unnahbarkeit des
Bewußtseins. An anderer Stelle aber geht der auf diese Problematik
ein. vgl. McGinn, Bewußtsein und Raum, in: Metzinger 1996, S.184
52
Ergäben sich auf diese Weise tanzende Qualia? Zu tanzenden Qualia
vgl. Chalmers in: Metzinger 1996, S. 380-7
53
McGinn 1991, S.10
54
Wir könnten Mensch und Zombie, die physiologisch identisch sind,
nicht unterscheiden. Etwas abstrakter ist die Vorstellung, daß
vielleicht bei komplexen Maschinen, bei denen die
Informationsverarbeitung, die bei uns physiologisch realisiert ist,
digital verwirklicht wird, Bewußtsein hervorbringen könnte.
55
Das "ursprüngliche Bei-sich-Sein, das die Wurzel des
Bewußtseins ausmacht, ist selbst nichts bewußtes, geschweige
denn das Be-wußt-sein von bestimmten physischen oder psychischen
Eigenschaften, die ich so habe." Haeffner 1989, S111
56
McGinn 1991, S.11
57
Diesen Weg scheint es mir zwar doch zu geben, aber er ist für uns
inhaltlich leer, bzw. er enthält einfach alles und das ist für
uns einfach zuviel, so daß wir nur diese Verbindung sehen. Genau
diese Verbindung ist es, die uns wissen läßt, daß wir
begrenzt sind.
58
McGinn 1991, S.11
59
McGinn, Bewußtsein und Raum, in: Metzinger 1996, S.183
60
McGinn 1991, S.11
61
Ausführlicher zu dieser These vgl. McGinn, Bewußtsein und
Raum, in: Metzinger 1996, S.183-200
62
vgl. oben
63
McGinn 1991, S.3
64
Bieri in: Metzinger 1996, S.76